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Warum manche Themen einfach nicht loslassen wollen

Vielleicht kennst du das: Du liegst nachts wach, und da ist wieder dieser eine Gedanke, dieses eine Gefühl, das sich einfach nicht auflösen will. Du hast schon so viel dafür getan – reflektiert, gesprochen, geweint, verstanden. Und trotzdem ist es wieder da. Wie ein Gast, der einfach nicht gehen will, egal wie oft du ihm sanft die Tür zeigst.

Ich möchte dir sagen: Das bedeutet nicht, dass du etwas falsch machst. Und es bedeutet auch nicht, dass mit dir etwas nicht stimmt. Es bedeutet meistens nur eines – dass ein Thema an mehr als einer Stelle sitzt, als wir zunächst denken.

Eine Klientin kam vor einiger Zeit zu mir, weil sie sich in Beziehungen immer wieder zurückzog, sobald es wirklich nah wurde. Sie hatte das schon oft mit sich selbst besprochen, wusste "eigentlich", woher es kommt – und trotzdem änderte sich nichts. Erst als wir genauer hinschauten, zeigte sich: Es war gar nicht nur ihre eigene Geschichte. Ihre Großmutter hatte einen sehr ähnlichen Rückzug gelebt, aus ganz anderen Gründen, in einer ganz anderen Zeit. Das Muster war weitergereicht worden – ohne dass jemand es je ausgesprochen hätte.

Ein Thema hat mehrere Wurzeln

Stell dir ein Thema wie einen Baum vor. Was wir sehen, sind die Blätter und Äste – das Verhalten, das Gefühl, die Reaktion, die uns manchmal selbst überrascht. Aber die Wurzeln liegen oft tiefer, und vor allem: an mehreren Stellen gleichzeitig.

🌱 Aus deinem eigenen Erleben Etwas, das du selbst erlebt hast – eine konkrete Erinnerung, ein Moment, den du benennen kannst, wenn du genau hinspürst.

🌳 Aus deiner Familie Ein Muster, das gar nicht wirklich zu deiner eigenen Geschichte passt – aber du erkennst es plötzlich bei deiner Mutter, deinem Großvater, in der ganzen Familienlinie. So wie bei meiner Klientin.

🌍 Aus deinem Umfeld Eine Überzeugung, die du nie wirklich hinterfragt hast, weil sie einfach "schon immer so war" – in deiner Kultur, deiner Generation, dem Umfeld, in dem du groß geworden bist.

✨ Aus einer tieferen Ebene Manche nennen das die seelische Ebene – Dinge, die sich anfühlen, als wären sie schon immer da, ohne dass sich das durch dein eigenes Leben oder deine Familie erklären lässt.

Und meistens ist es nicht nur eine dieser Ebenen. Oft hängt ein Thema gleichzeitig an mehreren Wurzeln – ein Stück eigenes Erleben, verwoben mit einem Familienmuster, vielleicht noch verstärkt durch eine kulturelle Prägung. Es geht also selten um ein Entweder-oder, sondern darum, nach und nach zu erkennen, welche Wurzeln alle mit dranhängen.

Wichtig dabei: Man schaut am besten der Reihe nach hin. Erst das Naheliegende – dein eigenes Erleben, deine Familie, dein Umfeld. Erst wenn diese drei ein Muster nicht wirklich erklären können, lohnt sich der Blick auf die tiefere Ebene.

So übersiehst du nichts – aber du machst ein Thema auch nicht größer oder mystischer, als es sein muss.

Es geht auch um den richtigen Zeitpunkt

Neben der Frage, woher ein Thema kommt, gibt es noch eine zweite: Wo genau stehst du gerade damit?

Manchmal sitzt es tief im Körper, der sich einfach nicht sicher fühlt. Manchmal ist es ein Satz aus der Kindheit, wie man sein musste, um geliebt zu werden. Manchmal meldet sich einfach ein kleiner, kindlicher Teil in dir. Und manchmal hast du längst verstanden, woher es kommt – dir fehlt nur noch der Mut, dich damit auch nach außen zu zeigen.

Das Gute daran: Du musst nicht alles auf einmal stemmen. Es reicht, dort anzufangen, wo du gerade stehst.

Warum sich der Blick auf alle Ebenen lohnt

Schaust du dir ein Thema nur bei dir selbst an, während die eigentliche Wurzel eigentlich in der Familie liegt, fühlt sich die Arbeit trotzdem richtig an. Nur kommt das Thema dann oft wieder – nicht, weil du etwas falsch gemacht hast, sondern weil einfach noch eine Wurzel übrig war.

Frag dich beim nächsten Mal ruhig:

  • Ist das wirklich meins – oder trage ich etwas für jemand anderen mit?
  • Habe ich mir das selbst erarbeitet, oder einfach übernommen?
  • Und: Wo im Prozess stehe ich gerade?

Wer alle Ebenen anschaut, statt nur die naheliegendste, gibt einem Thema die echte Chance, sich zu verändern.


Eine kleine Frage für diese Woche: Ist das, was mich gerade beschäftigt, wirklich meins – oder trage ich etwas mit, das woanders hingehört?

Wenn du das für dich klären möchtest, melde dich gerne. Ich begleite dich dabei, deine eigene Landkarte zu entdecken.


Pass gut auf dich auf.

Von Herzen,

Nicola